Sowohl im Rahmen der Übergangsgestaltung von der Kindertagesstätte in die Grundschule als auch im Zusammenhang weiterer Kontexte wie der Verankerung der Schulsozialarbeit und der Einrichtung inklusiver Schulen hat die Zusammenarbeit in multiprofessionellen Teams in den vergangenen Jahren an Bedeutung gewonnen (Becker 2022, Quante/Urban 2021). Insbesondere im Rahmen des ab 2026 geltenden Rechtsanspruchs auf Ganztagsbetreuung rückt die Thematik verstärkt in den Blick (Graßhoff 2021; Seemann/Titel 2023). Unterschiedliche Professionen sind angehalten im Ganztag zusammenzuwirken und die Schüler*innen kooperativ zu begleiten (Speck 2020).
In der Praxis wird die multiprofessionelle Kooperation vielerorts nicht nur als (personelle) Herausforderung wahrgenommen, sondern sie geht mit mangelnden Kooperationskompetenzen und teils falschen Vorstellungen einher, die einer Begegnung auf Augenhöhe im Weg stehen und häufig ein hierarchisches Gefälle zwischen den betreuenden und unterrichtenden Aktivitäten an Ganztagsgrundschulen verursachen (Braches-Chyrek 2020, Coelen/Stecher 2014, Hochdorf & Rothland 2022, Graßhoff 2021). Die Studienlage zeigt, dass multiprofessionelle Kooperation auszubauen und zu professionalisieren ist (Streese/Serke 2022) sowie die hohen Erwartungen im Ganztag „bisher nur ansatzweise erfüllt [sind]“ (BMFSFJ 2017, 62). Auch El-Mafaalani konstatiert auf dem Ganztagskongress 2024: „Wir haben keine etablierte Tradition von Institutionen, in denen multiprofessionelle Teams systematisch mit Kindern zusammenarbeiten, schon gar nicht im Schulsystem“ (BMFSFJ 2024, S. 9). Dies gilt nicht nur für Schulen, sondern ebenso für Universitäten und Hochschulen.
Ein Blick in die hochschulische Professionalisierung zeigt, dass an den Hochschulstandorten im Grundstudium – ausgenommen einzelner außercurricularer Zertifikate (Maulbetsch/Scheible 2023) – kaum Berührungspunkte zwischen den Professionen bestehen. Studierende haben kaum Möglichkeiten, mit ihren (zukünftigen) Kooperationspartner*innen in Kontakt und Austausch zu kommen. Hinsichtlich der Professionalisierung sind folglich „weiterreichende curriculare Öffnungen“ (Demmer/Hopmann 2020, 1473) innerhalb der universitären Ausbildung nötig.
Vor diesem Hintergrund wird im vorgestellten Projekt gemeinsam mit der PH Karlsruhe der übergeordneten Frage nachgegangen, inwiefern bereits im Studium Möglichkeiten gemeinsamer Erfahrungshorizonte geschaffen und die Studierenden auf die Zusammenarbeit in multiprofessionellen Teams (im Ganztag) vorbereitet werden können, mit dem Ziel, partizipativ mit Studierenden ein studiengangsübergreifendes/ polyvalentes Seminarkonzept zu entwickeln, hier exemplarisch für Lehramts- und Kindheitspädagogikstudierenden, um eine stärkere Verzahnung der beider Disziplinen bei der Professionalisierung im Hinblick auf die (zukünftige) Arbeit in multiprofessionellen Teams zu ermöglichen.
Projekt-ID:310 Forschungszentrum für Bildungsinnovation und Professionalisierung • Fakultät 1 • ErziehungswissenschaftErfasst von Gras, Juliana(Dr. ) am 24.07.24